Thomas Oppermann

* 27.04.1954 in Freckenhorst
† 25.10.2020 in Göttingen
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Angelegt am 26.10.2020
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Über den Trauerfall (6)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Thomas Oppermann, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Thomas Oppermann (Politiker)

26.10.2020 um 08:47 Uhr von Redaktion

Thomas Ludwig Albert Oppermann (* 27. April 1954 in Freckenhorst; † 25. Oktober 2020 in Göttingen) war ein deutscher Politiker der SPD. Vom 24. Oktober 2017 bis zu seinem Tod war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages.

 

Zuvor war er von Dezember 2013 bis September 2017 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, von November 2007 bis Dezember 2013 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion und von März 1998 bis März 2003 niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur.

 

Er zog nach den Bundestagswahlen 2005, 2009, 2013 und 2017 als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein.

Leben

26.10.2020 um 08:45 Uhr von Redaktion

Ausbildung und Beruf

Oppermann wurde 1954 als Sohn eines Molkereimeisters geboren. Er besuchte die Goetheschule Einbeck, wo er zweimal eine Klasse wiederholen musste und 1975 das Abitur machte. Anschließend studierte er Germanistik und Anglistik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Er verweigerte den Kriegsdienst und war von 1976 bis 1978 als freiwilliger Helfer bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in den USA tätig, wo er auch für die Feld- und Wanderarbeitergewerkschaft UFW/AFL-CIO arbeitete. Nach seiner Rückkehr studierte er Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen und bestand 1983 nach nur acht Semestern das Erste Juristische Staatsexamen mit der Note „gut“. Während des Studiums war er Mitglied und Mitbegründer der Studentengruppe Basisgruppe Jura am Juristischen Fachbereich und Mitglied der Juso-Hochschulgruppe im Studentenparlament (StuPa) der Universität Göttingen. Nach dem Referendariat legte er 1986 das Zweite Juristische Staatsexamen ab, das er ebenfalls mit Prädikat bestand. Danach war er bis 1990 Richter am Verwaltungsgericht Hannover und später am Verwaltungsgericht Braunschweig. Von 1988 bis 1989 war er als Rechtsdezernent der Stadt Hann. Münden in die Kommunalverwaltung abgeordnet.

 

Parteilaufbahn

Oppermann war seit 1980 Mitglied der SPD und seit 1989 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Göttingen. Von 1990 bis 2005 gehörte er dem Landtag von Niedersachsen an. Hier war er von 1990 bis 1998 rechtspolitischer Sprecher und von 2003 bis 2005 wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

 

Von 2001 bis 2005 gehörte Oppermann außerdem dem Kreistag des Landkreis Göttingen an. Seit der Bundestagswahl 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war er von März 2006 bis November 2007 Sprecher der Arbeitsgruppe und Obmann der SPD-Fraktion im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss. Am 26. November 2007 wurde er zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion gewählt. Er löste damit Olaf Scholz ab, der als Bundesminister für Arbeit und Soziales ins Kabinett Merkel I wechselte. Von 2007 bis 2013 war er Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums. Im Bundestagswahlkampf 2009 zählte Oppermann zum Schattenkabinett des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Im Bundestagswahlkampf 2013 berief Peer Steinbrück Oppermann in sein Kompetenzteam für den Bereich Innen- und Rechtspolitik.

 

 

Thomas Oppermann neben Angela Merkel und Volker Kauder im Deutschen Bundestag, 2014

Thomas Oppermann zog stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Göttingen in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte er 34,9 Prozent der Erststimmen.

 

Am 16. Dezember 2013 wählten 90,81 Prozent der SPD-Abgeordneten ihn zum neuen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion. Zu seiner Nachfolgerin wurde am 27. September 2017 Andrea Nahles gewählt.

 

Öffentliche Ämter

Am 30. März 1998 wurde Oppermann als Minister für Wissenschaft und Kultur in die von Ministerpräsident Gerhard Schröder geführte Landesregierung von Niedersachsen (Kabinett Schröder III) berufen. In diesem Amt gehörte er auch den von dessen Nachfolgern Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel geleiteten Regierungen an. Nachdem die SPD bei der Landtagswahl 2003 ihre absolute Mehrheit verloren hatte, schlossen CDU und FDP eine Koalition (Kabinett Wulff I). Die Amtszeit der Regierung Gabriel endete am 4. März 2003.

 

2019 bis 2020 war Oppermann im Vorstand der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.

 

Edathy-Affäre

Im Zuge der Edathy-Affäre wurde gegen Oppermann wiederholt der Vorwurf der Strafvereitelung erhoben. Nachdem er von Sigmar Gabriel über ein laufendes Kinderpornographie-Ermittlungsverfahren gegen den Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy (SPD) informiert worden war, rief Oppermann den damaligen BKA-Chef Ziercke (SPD) an, um sich „diese Information (…) bestätigen [zu] lassen.“ Oppermann beauftragte später Michael Hartmann (SPD), sich um Sebastian Edathy wegen dessen offenbar schlechten Gesundheitszustandes zu kümmern. Edathy gibt an, Hartmann habe ihn vor polizeilichen Ermittlungen gewarnt. Später meldete Edathy seinen Laptop als gestohlen, weswegen das BKA diesen nicht auf Beweismaterial untersuchen konnte. Oppermann selbst bestreitet, Hartmann von Ermittlungen berichtet zu haben.

 

Sonstiges Engagement

Oppermann gehörte dem Netzwerk Berlin und dem Seeheimer Kreis an und war stellvertretender Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. Er gehörte dem Jahrgang 1992 des „Young Leaders Programm“ des Netzwerkes Atlantik-Brücke an.Thomas Oppermann wurde im September 2019 auf dem 43. Ordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt am Main in der Nachfolge von Klaus Kinkel zum Vorsitzenden der Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes gewählt.

 

Privates

Thomas Oppermann hatte zwei Töchter aus seiner früheren Ehe sowie eine Tochter und einen Sohn mit seiner Partnerin.Oppermann war passionierter Fußballspieler und Wanderer. Außerdem war er ein begeisterter Leser. Oppermann verstarb am 25. Oktober 2020, nachdem er bei Dreharbeiten mit dem ZDF zusammengebrochen und in ein Göttinger Krankenhaus eingeliefert worden war.

Kabinette

26.10.2020 um 08:41 Uhr von Redaktion

Kabinett Schröder III (Niedersachsen) – Kabinett Glogowski – Kabinett Gabriel

Weblinks

26.10.2020 um 08:41 Uhr von Redaktion

Commons: Thomas Oppermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Website von Thomas Oppermann

Biographie beim Deutschen Bundestag

Thomas Oppermann auf abgeordnetenwatch.de

Deutschlandfunk Kulturfragen. Debatten und Dokumente vom 17. März 2019: Gespräch unter der Reichstagskuppel: Paritäten und Identitäten – Thomas Oppermann über aktuelle Debatten im Parlament im Gespräch mit Stefan Detjen

Einzelnachweise

26.10.2020 um 08:40 Uhr von Redaktion

 Andreas Niesmann: Politik: Dieser Junge wollte Minister werden … In: Focus Online. 20. Januar 2014, abgerufen am 14. Oktober 2018.

 Thomas Oppermann ist tot. Abgerufen am 26. Oktober 2020.

 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16. November 2014, S. 3

 Hopp, hopp in den Job! In: focus.de. Abgerufen am 1. Juli 2019.

 Andreas Niesmann: Dieser Junge wollte Minister werden … In: Focus. Nr. 4, 20. Januar 2014, S. 30 f. (online [abgerufen am 28. Januar 2014]).

 Innen- und Rechtspolitik: Thomas Oppermann. Archiviert vom Original am 22. August 2013; abgerufen am 21. August 2017.

 Ergebnis Bundestagswahl 2017 Wahlkreis 53 (Göttingen). Bundeswahlleiter, 30. September 2017, abgerufen am 15. Januar 2018.

 Andrea Nahles zur Vorsitzenden gewählt. In: spdfraktion.de. 27. September 2017, abgerufen am 27. September 2017.

 Oppermann verteidigt sich gegen Intrigen-Vorwurf. In: zeit.de. 19. Dezember 2014, abgerufen am 5. Januar 2016.

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